27.09.2018 Donnerstag Interessante Themen beim Tag der Wasserrettung in Bayern

Von links nach rechts: Felix Fendt von der DLRG Mühldorf am Inn erzählte vom Einsatz als Strömungsretter bei Hochwasserkatastrophen; Bildmitte: Es moderierte Anouschka Horn; rechts: Klimaexperte Christian Schmidt von der Versicherungskammer Bayern erläuterte die Auswirkungen des Klimawandels.

Experten aus Politik, Wissenschaft und Wasserrettung diskutierten Themen, die den Lebensnerv der Sicherheit am Wasser betreffen.

Im Bild - von links: Ingo Flechsenhar, Präsident der DLRG Bayern, Dr. Stephan Spieleder, Vorstandsmitglied der Versicherungskammer Bayern und Achim Haag, Präsident des DLRG-Bundesverbandes.

Am 20. September fand erstmals in Bayern der Tag der Wasserrettung statt. 120 Teilnehmer aus Politik, Behörden, Hilfsorganisationen und aus der Wirtschaft diskutierten aktuelle Themen der Sicherheit am Wasser. Experten aus Politik, Wissenschaft und Wasserrettung diskutierten drei Themen, die den Lebensnerv der Sicherheit am Wasser betreffen: Die Erhaltung der Hallenbäder, den Bau und Betrieb von Wasserrettungsstationen und die Konsequenzen aus dem Klimawandel für die Wasserrettung. Frau Anouschka Horn, bekannt vom Bayerischen Rundfunk, moderierte die Diskussionsrunden.

Zivilcourage ist nicht selbstverständlich

Zum Auftakt schilderte die erst 14-jährige Schülerin Lea Stangl, wie sie in diesem Sommer in einem Freibad am Chiemsee ein 17-jähriges Mädchen gerettet hatte. Die 17- Jährige hatte beim Baden gegen das Ertrinken angekämpft. Lea Stangl erkannte diese Situation vom Ufer aus und sprang „ohne eine Sekunde zu zögern“ ins Wasser, um zu helfen. Mit einem Rettungsgriff, den sie in der Schule gelernt hatte, zog sie die Ältere aus dem Wasser. Wie sich später herausstellte, war die Jugendliche Nichtschwimmerin. „Ich habe erst gar nicht realisiert, dass ich einem Menschen das Leben gerettet habe“, berichtete Lea Stangl den Konferenzteilnehmern. Und die spendeten ihr lang anhaltenden, stehenden Applaus.

Wer Schwimmen lernen darf, ertrinkt nicht

Nicole Schneider von der Stadtverwaltung Leipheim und Rolf Bergdolt, der für die Bäderinitiative Mönchsdeggingen aktiv ist, berichteten über ihre Bemühungen Hallenbäder zu erhalten und die Erfahrungen, die sie dabei gesammelt haben.

Im Landkreis Günzburg hat sich nach langem Ringen ein Zweckverband zum Erhalt des Hallenbads in der Stadt Leipheim gebildet. Nicole Schneider von der Stadtverwaltung Leipheim: „Um Bäder zu erhalten, braucht es den politischen Willen. Uns muss bewusst sein – und dem Leipheimer Stadtrat sowie dem Bürgermeister Christian Konrad war das präsent – dass solche Bäder vielfältige Aufgaben erfüllen: Sie sind nicht nur ein Ort, um Kindern und Erwachsenen das Schwimmen beizubringen oder Rettungsschwimmer auszubilden. Sie sind auch ein Ort, der es den Bürgern ermöglicht zusammen zu kommen, einen entspannten Nachmittag zu verbringen. Ob Senioren oder Familien – sie alle können dort kostengünstig ihre Freizeit verbringen. Ein Bad ist also auch ein Dienst an der Gesellschaft, vergleichbar mit einer kulturellen Institution. All diese Punkte waren in der Diskussion allen Beteiligten auf der politischen und Verwaltungsebene sehr bewusst.“

In Mönchsdeggingen, Landkreis Donau-Ries, hatte eine Bürgerinitiative in intensiver ehrenamtlicher Arbeit im April 2018 das schon stillgelegte Hallenbad Almarin für eine Woche wieder betriebsbereit gemacht. Rolf Bergdolt: „Mit dieser spektakulären Aktion wollten wir beweisen, dass das Hallenbad sanierbar ist.“ Mit einer weiteren Aktion belegte der Fördervereins Almarin kürzlich die Notwendigkeit des Bads im Ort: Gemeinsam mit dem Landratsamt befragte sie die Schulen im Landkreis, wie viel Schwimmunterricht im Lehrplan vorgeschrieben ist und wie viel davon tatsächlich gehalten wird. Das Ergebnis: Nur 20 Prozent der vorgeschriebenen Stunden finden statt. Notwendig sind im Landkreis über 12.000 Stunden Schwimmunterricht.

Wasserrettungsstationen sind im öffentlichen Interesse

Max Naumann, Einsatzleiter der DLRG Regensburg und von Beruf Architekt: „In Regens- burg haben wir kürzlich ein Wasserrettungszentrum und anschließend auch eine Wasserrettungsstation neu errichtet. Eine Wasserrettungsstation brauchen wir nicht nur für die Badeaufsicht, sondern auch als Schulungsraum.“ Die Finanzierung solcher Bauvorhaben ist für die Wasserretter eine enorme Herausforderung. Max Naumann: „Die Finanzierung und die laufenden Betriebskosten wie Energie, Wasser und Versicherungen liegt alleine bei den örtlichen Gliederungen der Wasserrettung. Für die Baumaßnahmen selbst haben wir uns Förderungen von der Bundes- und Landesebene der DLRG erschlossen. Öffentliche Mittel gibt es dafür aber nicht, obwohl wir unseren Dienst natürlich für die öffentliche Sicherheit erbringen.“

Klimaänderung: Unser Wetter führt zu immer mehr Überschwemmungskatastrophen

Klimaexperte Christian Schmidt von der Versicherungskammer Bayern erläuterte die Auswirkungen des Klimawandels: „Lokale Starkregenereignisse sind Auswirkungen des Klimawandels. Die Wahrscheinlichkeit, mit seinem Hab und Gut von einer Überschwem- mung betroffen zu sein, ist auch in Deutschland deutlich gestiegen - ein nach wie vor stark unterschätztes Risiko.“

Felix Fendt von der DLRG Mühldorf am Inn war im Jahr 2016 einer der Retter bei der Sturzflut in Simbach am Inn. Seine Erfahrungen: „Am beeindruckendsten vor Ort war die massive Zerstörung überall. Und auch die persönlichen Schicksale der betroffenen Menschen, die plötzlich so viel verloren haben.“ Und für die Retter im Nachhinein: „Viele Teile der kostbaren Schutzausrüstung mussten wir danach ersetzen. Der Staat hilft uns dabei, wenn auch erst nach ein oder zwei Jahren. Aber auf 20 Prozent der Materialkosten bleiben wir derzeit noch sitzen.“

Arbeitgeber – wichtiger Partner für ehrenamtliche Retter

Zum Schluss der Tagung überreichten Achim Haag, Präsident des DLRG- Bundesverbandes, und Ingo Flechsenhar, Präsident der DLRG Bayern, an Dr. Stephan Spieleder, Vorstandsmitglied der Versicherungskammer Bayern, die Auszeichnung „Helferfreundliches Unternehmen“. Die Auszeichnung verleihen die Hilfsorganisationen in Bayern gemeinsam seit diesem Jahr kleinen und großen Unternehmen, die ihren Mitarbeitern das Ehrenamt in Hilfsorganisationen erleichtern.
Dr. Stephan Spieleder: „Die Auszeichnung freut mich ganz besonders, weil es uns als größter öffentlicher Versicherer in dem bestätigt, was wir seit vielen Jahren fördern und gezielt unterstützen: sich gesellschaftlich und ehrenamtlich zu engagieren.“

Kategorie(n)
Katastrophenschutz, Wasserrettungsdienst

Von: Verbandskommunikation

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